Nachträgliche Anschaffungskosten

Stand: 26. August 2025

Das Wichtigste in Kürze

  • Anschaffungskosten für Wirtschaftsgüter oder Immobilien können Sie auch nachträglich abschreiben, wenn:
    • nachträglich Verbesserungen z.B. Umbaumaßnahmen durchgeführt wurden,
    • oder sich die Anschaffungskosten nachträglich erhöht haben und der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist. Kann der Steuerbescheid nicht mehr geändert werden, können Sie die Abschreibung im darauffolgenden Jahr korrigieren.

Inhaltsverzeichnis

1 Übersicht

Der Begriff der nachträglichen → Anschaffungskosten (AK) ist dem HGB (§ 255 Abs. 1 Satz 2 HGB) entnommen. Darunter fallen Aufwendungen, die – in Zusammenhang mit dem Erwerb eines WG – entweder später oder zwangsläufig anfallen. Nach den Grundsätzen der ordnungsmäßigen Buchführung (GoB) werden diese Aufwendungen nicht auf den Tag (das Jahr) des Erwerbs zurückbezogen, sondern als weitere AK in (ab) dem Jahr berücksichtigt, in dem sie anfallen. Prototyp der nachträglichen AK sind kommunale Erschließungskosten, die anlässlich des Erwerbs eines (Bau-)Grundstücks anfallen.

Für den Fall, dass sich die nachträglichen AK auf ein abnutzbares Wirtschaftsgut des AV beziehen, ist mit ihnen die Problematik der ›späteren‹ Absetzung für Abnutzung (AfA) verbunden.

Steuern sparen

Steuerspar-Tipps, wichtige Fristen und Termine – alles im Blick.

Zum Newsletter anmelden

Außerdem sind die AK bei der Ermittlung eines Veräußerungsgewinnes relevant. Ein echtes ›Eigenleben‹ haben sie durch umfangreiche Rspr. bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinnes nach § 17 EStG entwickelt, die dort zu einer ›normspezifischen‹ Auslegung geführt hat (s. unten unter Tz. 3.4). Durch § 17 Abs. 2a EStG (Anwendung ab 1.8.2019 gem. § 52 Abs. 25a Satz 1 EStG; (ausführliche Erläuterungen hierzu im BMF-Schreiben vom 7.6.2022, IV C 6-S 2244/20/10001:001, BStBl I 2022, 897) definiert der Gesetzgeber den Begriff der AK (§ 17 Abs. 2a Satz 1 EStG) und der nachträglichen AK (§ 17 Abs. 2a Satz 3 Nr. 1 bis 3 EStG) neu. S. hierzu Tz. 3.4.

Ganz allgemein ist immer der Zusammenhang zum Erwerbsvorgang zu hinterfragen. Nur bei einem hinreichenden finalen oder kausalen Zusammenhang liegen nachträgliche AK vor, ansonsten handelt es sich um sofort berücksichtigungsfähigen Erwerbsaufwand oder steuerlich irrelevante Privataufwendungen.

2 Nachträgliche Anschaffungskosten und Absetzung für Abnutzung

2.1 Zweifache Berücksichtigung

Bei unterstellten nachträglichen AK ist die planmäßige AfA sowohl bei beweglichen (und immateriellen) abnutzbaren WG als auch bei Gebäuden neu zu berechnen.

Sind für ein Wirtschaftsgut (WG) nachträgliche AK oder → Herstellungskosten (HK) aufgewendet worden, ohne dass hierdurch ein anderes WG entstanden ist, so bemisst sich die weitere AfA wie folgt (H 7.3 [Nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten] EStH):

AfA nach § 7 Abs. 4 oder 5 EStG

AfA nach § 7 Abs. 1 oder 2 oder Abs. 4 Satz 2 EStG

Bisherige Bemessungsgrundlage zzgl. der nachträglichen AK oder HK.

Buchwert oder Restwert zzgl. der nachträglichen AK oder HK.

Abb.: AfA bei nachträglichen AK oder HK

Bei nachträglichen HK für WG, die nach § 7 Abs. 1, Abs. 2 oder Abs. 4 Satz 2 EStG abgeschrieben werden, ist die Restnutzungsdauer unter Berücksichtigung des Zustands des WG im Zeitpunkt der Beendigung der nachträglichen Herstellungsarbeiten neu zu schätzen (R 7.4 Abs. 9 EStR; H 7.4 [Afa nach nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Beispiele 1 bis 3] EStH).

Nachträgliche AK oder HK sind bei der Vornahme von AfA nach § 7 Abs. 5 EStG grds. ab dem Jahr ihres Anfalls zusammen mit den bisherigen HK und AK des Gebäudes nach dem für diese geltenden Prozentsatz abzusetzen (BFH vom 15.11.2022, IX R 14/20, BStBl II 2023, 374; LEXinform 0952915). Nimmt der Stpfl. AfA nach § 7i EStG auf die HK für Baumaßnahmen zur Erhaltung eines denkmalgeschützten Gebäudes in Anspruch, erhöhen die nach Ablauf des Begünstigungszeitraums für AfA nach § 7i EStG angefallenen nachträglichen AK eines im gleichen Gebäude befindlichen Pkw-Tiefgaragenstellplatzes lediglich die Bemessungsgrundlage für den nicht nach § 7i EStG begünstigten Teil der AK oder HK des Gebäudes, von dem der Kläger (weiterhin) AfA nach § 7 Abs. 5 EStG vornimmt.

2.1.1 Nachträgliche Anschaffungskosten (bewegliche Wirtschaftshüter)

Bei der linearen und bei der Leistungs-AfA ist bei nachträglichen AK für bewegliche WG folgende Berechnung vorzunehmen:

Restbuchwert

+ AK (ab Beginn des Wirtschaftsjahres – R 7.4 Abs. 9 Satz 3 EStR)

Gesamtbetrag

Vorstehender Betrag ist gleichmäßig auf die neu zu schätzende Restnutzungsdauer zu verteilen (R 7.4 Abs. 9 Satz 1 EStR).

Bei degressiver Abschreibung ist folgende Berechnung anzuwenden:

Restbuchwert

+ AK (ab Beginn des Wirtschaftsjahres ansetzen – R 7.4 Abs. 9 Satz 3 EStR)

Neuer Buchwert

Auf den vorstehenden Buchwert ist der nach der geschätzten Restnutzungsdauer des WG neu zu bestimmende AfA-Satz anzuwenden (R 7.4 Abs. 9 Satz 1 EStR).

Beispiel 1:

C hat im Januar 01 eine Betriebsvorrichtung für 200 000 EUR hergestellt (Nutzungsdauer 20 Jahre) und nach § 7 Abs. 2 EStG abgeschrieben. Buchwert am 31.12.05: 118 098 EUR. Im Mai 06 sind nachträgliche AK i. H. v. 50 000 EUR entstanden, ohne dass sich dadurch die Gesamt-Nutzungsdauer der Betriebsvorrichtung veränderte.

Lösung 1:

Betriebsvorrichtung:

Buchwert am 31.12.05

118 098 EUR

+ nachträgliche AK

+ 50 000 EUR

Buchwert am 31.12.06

168 098 EUR

Die AfA 06 gem. § 7 Abs. 2 EStG (entsprechend der Rest-Nutzungsdauer von 15 Jahren: 13,33 %) beträgt 22 407 EUR. Der Wechsel zur linearen AfA erfolgt im 14. Jahr:

Buchwert Ende 6. Jahr

145 691 EUR

./. AfA 7. Jahr

19 421 EUR

Buchwert Ende 7. Jahr

126 270 EUR

./. AfA 8. Jahr

16 832 EUR

Buchwert Ende 8. Jahr

109 438 EUR

./. AfA 9. Jahr

14 588 EUR

Buchwert Ende 9. Jahr

94 850 EUR

./. AfA 10. Jahr

12 644 EUR

Buchwert Ende 10. Jahr

82 206 EUR

./. AfA 11. Jahr

10 958 EUR

Buchwert Ende 11. Jahr

71 248 EUR

./. AfA 12. Jahr

9 497 EUR

Buchwert Ende 12. Jahr

61 751 EUR

./. AfA 13. Jahr

8 231 EUR

Buchwert Ende 13. Jahr

53 520 EUR

./. AfA 14. Jahr

7 646 EUR

Buchwert Ende 14. Jahr

45 874 EUR

AfA ab 15. Jahr bis 20. Jahr

7 646 EUR

AfA 14. Jahr gem. § 7 Abs. 2 EStG

AfA 14. Jahr gem. § 7 Abs. 1 EStG

(53 520 EUR × 13,33 %) = 7 134 EUR

(53 520 EUR / 7) = 7 646 EUR

Deshalb ist der Übergang auf die lineare AfA im 14. Jahr (d. h. im 9. Jahr nach Entstehung der nachträglichen AK) zweckmäßig.

Hinweis:

Durch die Vorschrift des § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG ist der sog. anschaffungsnahe Aufwand gesetzlich geregelt. Diese ist auch bei der Thematik der nachträglichen HK zu berücksichtigen.

2.1.2 Nachträgliche Anschaffungskosten bei Gebäuden

In den Fällen des § 7 Abs. 4 Satz 1 EStG wird der für das Gebäude (→ Gebäude, Begriff) maßgebliche Prozentsatz auf die bisherige AfA-Bemessungsgrundlage, vermehrt um die nachträglichen AK, angewendet. Das Vorliegen nachträglicher AK (und damit der Ausschluss von späteren Instandsetzungsmaßnahmen) ist durch eine Funktionsänderung oder Substanzmehrung des betreffenden Gebäudes indiziert (BFH-Urteil vom 27.9.2001, BFH/NV 2002, 25). Wenn auf diese Weise die volle Absetzung innerhalb der tatsächlichen Nutzungsdauer (ND) nicht erreicht wird, so kann die weitere AfA wie in den Fällen des § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG bemessen werden.

In den Fällen des § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG bemisst sich die weitere AfA nach dem um die nachträglichen AK vermehrten Restwert und der Rest-Nutzungsdauer des Gebäudes. Aus Vereinfachungsgründen kann die AfA auch nach dem bisher für das Gebäude maßgeblichen Prozentsatz bemessen werden (R 7.4 Abs. 9 Satz 2 EStR).

Ausnahme: Für den Fall, dass mit den nachträglichen AK ein anderes Wirtschaftsgut entstanden ist, gilt Folgendes:

Die AfA ist nach der Summe aus dem Buchwert oder Restwert des WG und den nachträglichen AK (bzw. HK) sowie nach der voraussichtlichen Nutzungsdauer des anderen WG zu bemessen (H 7.3 [nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten] EStH und R 7.4 Abs. 9 Satz 4 EStR).

Beispiel 2: hier für nachträgliche HK

Ein → Steuerpflichtiger hat im Juli 01 ein → Betriebsgrundstück (Gebäudebaujahr: 1940) für 200 000 EUR (Gebäudeanteil: 180 000 EUR) erworben. Ende März 20 muss wegen einer Straßenverbreiterung ein Teil des Erdgeschosses abgebrochen werden, um eine Fußgängerpassage auszubauen. Fertigstellung im August 20. Durch den Abbruch ist ein Sechstel der Bausubstanz abgetragen worden. Die → Kosten für den Abbruch betrugen 5 000 EUR (zzgl. 19 % USt), die HK für den Umbau des verbliebenen Erdgeschosses 40 000 EUR. Die Rest-Nutzungsdauer liegt nicht unter 50 Jahre.

Lösung 2:

Die Abbruchkosten sind sofort abzugsfähige → Betriebsausgaben.

AK des Gebäudes im Juli 01

180 000 EUR

./. AfA für Juli 01-März 20 (2 % für 18 3/4 Jahre)

./. 67 500 EUR

Restwert am 31.3.20

112 500 EUR

Absetzung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (AfaA) wegen Teilabbruchs des Gebäudes:

112 500 EUR

=

18 750 EUR

6

AfA für das 20. Jahr

AfA 2 % von (180 TEUR + 40 TEUR)

4 400 EUR

+ AfaA wg. Teilabbruchs des Gebäudes

+ 18 750 EUR

AfA Jahr 20

23 150 EUR

AfA für das 21. Jahr

gem. H 7.3, H 7.4 [nachträgliche AK oder HK] EStH und § 22c Abs. 2 Satz 1 EStDV

2 % von (180 TEUR + 40 TEUR

./. 18 750 EUR)

AfA Jahr 21

4 025 EUR

Kontoentwicklung Gebäude

AK

180 000 EUR

./. AfA Juli 1.-31.12.19

./. 66 600 EUR

Buchwert am 31.12.19

113 400 EUR

+ nachträgliche HK

+ 40 000 EUR

./. AfA 20

./. 4 400 EUR

./. AfaA 20

./. 18 750 EUR

Buchwert am 21.12.20

130 250 EUR

./. AfA 21

./. 4 025 EUR

Buchwert am 31.12.21

126 225 EUR

2.2 Vorschriften für erhöhte Absetzungen und Sonderabschreibungen (§ 7a EStG, R 7a EStR)

2.2.1 Nachträgliche Anschaffungskosten

Werden im Begünstigungszeitraum für erhöhte Absetzungen oder für → Sonderabschreibungen nachträgliche → Anschaffungskosten oder nachträgliche → Herstellungskosten aufgewendet, so bemessen sich die erhöhten Absetzungen und die Sonderabschreibungen vom Jahr der Entstehung der nachträglichen AK oder HK an bis zum Ende des Begünstigungszeitraums der AfA nach den um die nachträglichen AK oder HK erhöhten ursprünglichen AK oder HK (§ 7a Abs. 1 Satz 1 und 2 EStG).

Beispiel 3:

Für ein bewegliches WG mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 15 Jahren und AK i. H. v. 15 TEUR, für das im Jahr der Anschaffung 20 % Sonderabschreibungen gem. § 7g EStG in Anspruch genommen wurden, werden im vierten Jahr des Begünstigungszeitraums nachträgliche HK (3 000 EUR) aufgewendet. Für das WG wird die lineare AfA in Anspruch genommen.

Lösung 3:

 

Abschreibung

Bemessungsgrundlage

AK

 

15 000 EUR

Abschreibungen der ersten drei Jahre

 

 

AfA: 3 × 6,66 %

+ 3 000 EUR

 

Sonderabschreibung 20 %

+ 3 000 EUR

 

nachträgliche HK

 

3 000 EUR

Abschreibungen im vierten Jahr

 

 

AfA: 6,66 % von 18 TEUR

+ 1 200 EUR

 

Sonderabschreibung 20 % von 3 TEUR

+ 600 EUR

 

Abschreibung im fünften Jahr

 

 

AfA: 6,66 % von 18 TEUR

+ 1 200 EUR

 

 

= 9 000 EUR

./. 9 000 EUR

Restwert am Ende des Begünstigungszeitraumes

9 000 EUR

Vom sechsten Jahr an beträgt die AfA entsprechend der Restnutzungsdauer von zehn Jahren

9 000 EUR

=

900 EUR

10

2.2.2 Nachträgliche Minderung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Werden im Begünstigungszeitraum die AK/HK eines WG nachträglich gemindert, so bemessen sich vom Jahr der Minderung an bis zum Ende des Begünstigungszeitraums der AfA die erhöhten Absetzungen und die → Sonderabschreibungen nach den geminderten AK/HK (§ 7a Abs. 1 Satz 3 EStG).

Beispiel 4:

Ein → Unternehmer hat im Jahr 01 eine Maschine angeschafft (AK 20 000 EUR, Nutzungsdauer zehn Jahre) und für 01 folgende Abschreibungen in Anspruch genommen:

  • Sonderabschreibung gem. § 7g EStG (10 % von 20 000 EUR) 2 000 EUR

  • AfA gem. § 7 Abs. 2 EStG (20 % von 20 000 EUR) 4 000 EUR

Im Februar 02 erhält der Unternehmer einen Rabatt (§ 255 Abs. 1 Satz 3 HGB) auf den Kaufpreis der Maschine i. H. v. 1 000 EUR zzgl. 19 % USt.

Lösung 4:

 

Buchwert

AfA

Sonderabschreibungen 02 gem. § 7g EStG

 

 

max. 10 % der geminderten AK

 

1 900 EUR

geminderte AK

19 000 EUR

 

./. Sonderabschreibung 01

./. 2 000 EUR

 

./. AfA 01

./. 4 000 EUR

 

Buchwert am 31.12.01

13 000 EUR

 

AfA 02 (20 % des Buchwertes)

 

2 600 EUR

geminderte AK

19 000 EUR

 

./. Sonderabschreibung 01 und 02

./. 3 900 EUR

 

./. AfA 01 und 02

./. 6 600 EUR

 

Buchwert am 31.12.02

8 500 EUR

 

AfA 03 (20 % des Buchwertes)

 

1 700 EUR

geminderte AK

19 000 EUR

 

./. Sonderabschreibung 01 und 02

./. 3 900 EUR

 

./. AfA 01 bis 03

./. 8 300 EUR

 

Buchwert am 31.12.03

6 800 EUR

 

AfA 04 (20 % des Buchwertes)

 

1 360 EUR

geminderte AK

19 000 EUR

 

./. Sonderabschreibung 01 und 02

./. 3 900 EUR

 

./. AfA 01 bis 04

./. 9 660 EUR

 

Buchwert am 31.12.04

5 440 EUR

 

AfA 05 (20 % des Buchwertes)

 

1 088 EUR

geminderte AK

19 000 EUR

 

./. Sonderabschreibung 01 und 02

./. 3 900 EUR

 

./. AfA 01 bis 05

./. 10 748 EUR

 

Buchwert am 31.12.05

4 352 EUR

 

AfA für 06

degressiv

linear

20 % von 4 352 EUR

4 352 EUR / 5 Jahre

870 EUR

870 EUR

3 Nachträgliche Anschaffungskosten bei § 17 EStG

In ganz anderem Zusammenhang erscheinen nachträgliche AK bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinnes bei Einzelwirtschaftsgütern. Besonders interessant und schwierig ist die Ermittlung und Zuordnung bei § 17 EStG. Durch § 17 Abs. 2a EStG (Anwendung ab 1.8.2019 gem. § 52 Abs. 25a Satz 1 EStG) definiert der Gesetzgeber den Begriff der AK (§ 17 Abs. 2a Satz 1 EStG) und der nachträglichen AK (§ 17 Abs. 2a Satz 3 Nr. 1 bis 3 EStG) neu (s. Tz. 3.4; ausführliche Erläuterungen hierzu im BMF-Schreiben vom 7.6.2022, IV C 6-S 2244/20/10001:001, BStBl I 2022, 897). Das Wahlrecht aus § 52 Abs. 25a Satz 2 EStG tritt neben die mit dem BFH-Urteil vom 11.7.2017 (IX R 36/15) ausgesprochene zeitlich befristete Fortgeltung der alten Rechtsgrundsätze (BFH vom 20.2.2024, IX R 12/23, BStBl II 2025, 13). Das Wahlrecht des Stpfl., auch für Veräußerungen vor dem 31.7.2019 rückwirkend die Neuregelung des § 17 Abs. 2a EStG in Anspruch zu nehmen (§ 52 Abs. 25a Satz 2 EStG), lässt die im BFH-Urteil vom 11.7.2017 (IX R 36/15) angeordnete befristete Fortgeltung der herkömmlichen Rechtsgrundsätze zur Behandlung von (ehemals) eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen im Rahmen des § 17 EStG nicht entfallen.

3.1 Ausgangspunkt: Berechnungsformel für den Veräußerungsgewinn

Der → Veräußerungsgewinn wird gem. § 17 Abs. 2 Satz 1 EStG nach folgendem Schema ermittelt:

Veräußerungspreis

./. Anschaffungskosten

./. Veräußerungskosten

Veräußerungsgewinn

Ein besonderes Problem bei § 17 EStG stellen Inhalt und Ermittlung der AK dar.

3.2 Die Abzugsgröße ›Anschaffungskosten‹

Die AK-Definition des § 255 HGB wird im Ergebnis auch für die AK-Diskussion bei § 17 EStG zugrunde gelegt. Danach erhöhen die Anschaffungsnebenkosten ebenso wie nachträglicheAnschaffungskosten den Ausgangswert. Umgekehrt reduzieren Anschaffungspreisminderungen den Betrag.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen sind beim Gründungserwerb von Anteilen alle Komponenten zu berücksichtigen, die materialisierte Aufwendungen für das verkehrsfähige WG ›Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft‹ sind.

  • Unter dem Gesichtspunkt der finalen AK-Lehre (Aufwendungen zum Erwerb der Beteiligung) ist die Rspr. einleuchtend, die beim Erwerb von Anteilen anlässlich einer Kapitalerhöhung danach differenziert, ob die Mittel für die Kapitalerhöhung von der KapGes selbst oder von den Gesellschaftern geleistet werden. Danach münden – wie beim Ersterwerb – nur diejenigen Beträge in die AK, die aus Mitteln der Gesellschafter stammen (BFH Urteil vom 21.1.1999, BStBl II 1999, 638). Es werden bei einer Kapitalerhöhung aus Gesellschafter-Mitteln neue Relationen zwischen den Altanteilen und den neuen (jungen) Anteilen geschaffen, die im Wege der Gesamtwertmethode aufgeteilt werden.

  • Bei der Kapitalerhöhung aus Mitteln der Kapitalgesellschaft sind die AK nach dem Verhältnis der Nennbeträge für die Altanteile und die neuen Frei-Anteile zu verteilen.

  • Als Anschaffungsnebenkosten kommen diejenigen Aufwendungen in Betracht, die zwangsläufig beim Erwerb anfallen und vom Erwerber zu zahlen sind. Bei derivativen GmbH-Geschäftsanteilen sind dies z. B. die Notarkosten für die Beurkundung, ansonsten – bei gründungsgeborenen Anteilen – kommen evtl. Prüfkosten oder Beratungskosten hinzu.

  • In diesem Zusammenhang hat der BFH vergeblich aufgewendete Beratungskosten zu den AK der Beteiligung gerechnet (BFH Urteil vom 20.4.2004, VIII R 4/02, BStBl II 2004, 597).

  • Anschaffungspreisminderungen sind Rückzahlungen auf den ursprünglichen Verkaufspreis, wenn sie aufgrund gesetzlicher oder vertraglicher Verpflichtung zu leisten sind. Die Rspr. nimmt diesen Fall auch bei der Rückzahlung im Rahmen einer Kapitalherabsetzung an (BFH Urteil vom 26.9.1995, BStBl II 1995, 725).

3.3 Nachträgliche Anschaffungskosten bei Einlagen

Mit der Ermittlung der historischen AK – egal ob sie bei der Gründung der KapGes oder beim Erwerb der Anteile angefallen sind – sind die Anteile an → Kapitalgesellschaften nicht auf ewige Zeit festgelegt. Vielmehr kann es zu späteren Werterhöhungen durch Nachschusszahlungen und dgl. kommen. Die häufigste Form sind jedoch die späteren (verdeckten) Einlagen.

3.3.1 Offene Einlagen

Als offene → Einlage wird die Übertragung von WG in das Vermögen der KapGes bezeichnet, die mit einer unmittelbaren gesellschaftsrechtlichen Gegenleistung verbunden ist. Auf der Ebene der KapGes sind diese Vorgänge durch eine Einstellung in das gezeichnete Kapital (Kapitalerhöhung aus Gesellschaftermittel) oder in die Kapitalrücklage (§ 272 Abs. 2 HGB, wie z. B. das Agio) erfasst.

3.3.2 Verdeckte Einlagen

Ebenso erhöhen verdeckte Einlagen, die mit keiner unmittelbaren Gegenleistung für den Gesellschafter verbunden sind, sondern als Reflex nur mittelbar seinem Beteiligungswert zugutekommen, die AK des Anteilsinhabers. Sie werden bei der KapGes ebenfalls in die Kapitalrücklage eingestellt.

Beispiel 5:

M ist zu 80 % an der M-GmbH beteiligt. Aufgrund guter Beziehungen zu seiner Hausbank steht ihm aus einer privaten zinsgünstigen Hypothek (5 %) noch ein Restdarlehensbetrag von 100 TEUR zur Verfügung, der nicht aufgebraucht wurde. Er überlässt den Geldbetrag der GmbH gegen 6 %, obwohl die GmbH für diesen Kredit mangels grundpfandrechtlicher Absicherung mind. 10 % Zinsen zahlen hätte müssen.

Als M ein Jahr später 10 % seine Beteiligung gegen ein hohes Entgelt überträgt, möchte er einen möglichst niedrigen → Veräußerungsgewinn versteuern.

Bei der Diskussion zur → Einlage (dem Grunde wie der Höhe nach) muss man sich vergegenwärtigen, dass jede (erfolgreiche) Einlage – als werterhöhender Subtrahend [Abzugsgröße] – den späteren Veräußerungsgewinn verringert. Der jeweilige Vermögensvorteil muss allerdings einlagefähig sein.

Lösung 5:

Aufgrund des epochalen Beschlusses des Großen Senats vom 26.10.1987 (BStBl II 1988, 348) können nur WG – und damit z. B. Nutzungsrechte – einlagefähig sein. Eine einfache Nutzungsüberlassung – wie sie auch hier bei der Kapitalüberlassung des M an die M-GmbH vorliegt – ist nach diesem richtigen Urteil nicht einlagefähig.

Weder M noch die M-GmbH können den Nutzungsvorteil [= 4 % (10 % ./. 6 %)] als → Einlage behandeln. M muss die volle Differenz zwischen Kaufpreis und anteiligen historischen AK versteuern.

3.4 Eigenkapitalersetzende Maßnahmen

Zur Verlustberücksichtigung aus einer stehengelassenen Gesellschafterbürgschaft vor Geltung des § 17 Abs. 2a EStG s. BFH vom 20.6.2023 (IX R 2/22, BFH/NV 2023, 1257; ebenso BFH vom 14.11.2023, IX R 3/23, BFH/NV 2024, 280; LEXinform 0954499).

Durch § 17 Abs. 2a EStG (Anwendung ab 1.8.2019 gem. § 52 Abs. 25a Satz 1 EStG) definiert der Gesetzgeber den Begriff der AK (§ 17 Abs. 2a Satz 1 EStG) und der nachträglichen AK (§ 17 Abs. 2a Satz 3Nr. 1 bis 3 EStG) neu (ausführliche Erläuterungen hierzu im BMF-Schreiben vom 7.6.2022, IV C 6-S 2244/20/10001:001, BStBl I 2022, 897). Das Wahlrecht aus § 52 Abs. 25a Satz 2 EStG tritt neben die mit dem BFH-Urteil vom 11.7.2017 (IX R 36/15) ausgesprochene zeitlich befristete Fortgeltung der alten Rechtsgrundsätze (BFH vom 20.2.2024, IX R 12/23, BStBl II 2025, 13). Das Wahlrecht des Stpfl., auch für Veräußerungen vor dem 31.7.2019 rückwirkend die Neuregelung des § 17 Abs. 2a EStG in Anspruch zu nehmen (§ 52 Abs. 25a Satz 2 EStG), lässt die im BFH-Urteil vom 11.7.2017 (IX R 36/15) angeordnete befristete Fortgeltung der herkömmlichen Rechtsgrundsätze zur Behandlung von (ehemals) eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen im Rahmen des § 17 EStG nicht entfallen.

Nach § 17 Abs. 2a Satz 3 gehören zu den nachträglichen AK insbes. (keine abschließende Aufzählung):

  • offene oder verdeckte Einlagen (Nr. 1),

  • Darlehensverluste, soweit die Gewährung des Darlehens oder das Stehenlassen des Darlehens in der Krise der Gesellschaft gesellschaftsrechtlich veranlasst war (Nr. 2), und

  • Ausfälle von Bürgschaftsregressforderungen und vergleichbaren Forderungen, soweit die Hingabe oder das Stehenlassen der betreffenden Sicherheit gesellschaftsrechtlich veranlasst war (Nr. 3).

Eine gesellschaftsrechtliche Veranlassung liegt regelmäßig vor, wenn ein fremder Dritter das Darlehen oder Sicherungsmittel i. S. d. Nr. 2 oder 3 bei sonst gleichen Umständen zurückgefordert oder nicht gewährt hätte (§ 17 Abs. 2a Satz 4 EStG).

Die Neuregelungen in § 17 Abs. 2a Nr. 2 und 3 EStG sollen an die frühere Rspr. anknüpfen und sicherstellen, dass Darlehensverluste auch nach der Einführung des MoMiG gewinnmindernd berücksichtigt werden können. Die Neuregelung kann auf Antrag auch auf entsprechende Vorgänge vor dem 31.7.2019 angewendet werden (§ 52 Abs. 25a Satz 2 EStG).

Ein in der Krise stehen gelassenes Darlehen ist im Anwendungsbereich des § 17 Abs. 2a EStG mit dem zum Zeitpunkt des Eintritts der Krise bestehenden Teilwert zu bewerten (BFH vom 18.7.2023. IX R 21/21, BStBl II 2024, 169). Insoweit gelten die von der Rspr. entwickelten Grundsätze zur Berücksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen als nachträgliche AK im Rahmen des § 17 EStG, insbes. hinsichtlich stehen gelassener Darlehen, fort.

3.5 Zeitpunkt für Verlust aus der Aufgabe einer GmbH-Beteiligung gem. § 17 EStG

Ist im Jahr der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen einer KapGes nicht ausgeschlossen, dass eine Zuteilung oder Zurückzahlung von Gesellschaftsvermögen an eine i. S. d. § 17 EStG wesentlich beteiligte Gesellschafterin, die der Gesellschaft ein Gesellschafterdarlehen gewährt hat, erfolgen wird, so kann ein Auflösungsverlust i. S. d. § 17 Abs. 4 EStG nicht im entsprechenden VZ berücksichtigt werden (FG Düsseldorf vom 12.4.2022, 10 K 1175/19 E, EFG 2022, 1286, rkr.).

4 Sonstige Fälle

4.1 Wertsicherungsklausel

Nachträgliche AK liegen nicht vor, wenn spätere Wertveränderungen aufgrund von Wertsicherungsklauseln vorgenommen werden. Diese häufig bei wiederkehrenden Versorgungsleistungen praktizierte Wertsicherung stellt keine nachträgliche AK-Korrektur dar, da der ›innere‹ Wert der Gegenleistung gleichgeblieben ist; s. a. → Rücklagenbildung nach § 6b und § 6c EStG.

4.2 Aufzinsung bei gestundeter Kaufpreisverbindlichkeit

Bei Aufzinsung einer gem. § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG abzuzinsenden, gestundeten Kaufpreisverbindlichkeit sind nachträgliche AK anzunehmen.

4.3 Grunderwerbsteuer bei Wechsel im Gesellschafterbestand

Die infolge eines Wechsels im Gesellschafterbestand ausgelösten Grunderwerbsteuern stellen keine AK der erworbenen Kommanditanteile oder des vorhandenen Grundbesitzes der Objektgesellschaft dar. Die von einer PersGes zu entrichtende Grunderwerbsteuer nach § 1 Abs. 2a GrEStG mindert als sofort abziehbare WK die gesondert und einheitlich festzustellenden Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (vgl. BFH Urteil vom 2.9.2014, IX R 50/13, BStBl II 2015, 260).

5 Literaturhinweise

Demuth, Verlustberücksichtigung aus einer stehen gelassenen Gesellschafterbürgschaft vor Geltung des § 17 Abs. 2a EStG, NWB 35/2023, 2398; Prof. Lang, Die gesetzliche Neuregelung der nachträglichen Anschaffungskosten in § 17 Abs. 2a EStG, SIS Nr. 2021/04; Deutschländer, Der Verlust von Gesellschafterfinanzierungshilfen im Privatvermögen, NWB 1/2023, 47; Carlé, Kommentierte Nachricht, NWB 8/2023, 523; Demuth, Höhe der nachträglichen Anschaffungskosten bei in der Krise stehen gelassenen Darlehen nach § 17 Abs. 2 a Satz 3 Nr. 2 EStG, NWB 46/2023, 3112; Roos, Handelsrechtliche Behandlung nachträglicher Herstellungskosten im Allgemeinen und im Zusammenhang mit bestehenden Gebäuden, StuB 20/2023, 801; Rätke, Ausfall eines Darlehens eines GmbH-Gesellschafters vor dem Inkrafttreten des § 17 Abs. 2a EStG, BBK 16/2024, 731; Jauch, Steuerliche Einordnung von Baumaßnahmen – Erhaltungsaufwendungen, Anschaffungskosten, (nachträgliche) Herstellungskosten sowie anschaffungsnahe Herstellungskosten bei Vermietungsobjekten, NWB 29/2025, Beilage S. 33.

6 Verwandte Lexikonartikel

Abschreibung

Anschaffungskosten

Beteiligungsveräußerung

Degressive Abschreibung

Drittaufwand

Firmenwert

Immaterielle Wirtschaftsgüter

Rücklage

Versorgungsbezüge

Redaktioneller Hinweis: © Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht GmbH

7 Verweise

Normenverweise

AnfG § 6

EStG § 6

EStG § 7

EStG § 7i

EStG § 17 Abs. 2

EStG § 17 Abs. 2a

EStG § 34

EStG § 52 Abs. 25a

GmbHG § 32a

GmbHG § 32b

HGB § 255 Abs. 1

HGB § 272 Abs. 2

AO § 42

InsO § 39 Abs. 1

InsO § 44a

InsO § 135

InsO § 143 Abs. 3

Rechtsprechung

BFH vom 14.11.2023, IX R 3/23, BFH/NV 2024, 280

BFH vom 20.2.2024, IX R 12/23, BStBl II 2025, 13

Verwaltungsanweisungen
Synonyme

Online Steuererklärung

einfach. sicher. ohne Download.
Jetzt testen!
Steuern sparen

Steuerspar-Tipps, wichtige Fristen und Termine – alles im Blick.

Zum Newsletter anmelden
smartsteuer GmbH 621 Bewertungen auf ProvenExpert.com